Woche 1: 15.06.19 – 21.06.19

zur Ansicht Strecke

Endlich!!! fahren wir wieder los!

Allerdings gibt´s noch jede Menge vorher zu erledigen. Obwohl wir ja wirklich viel Zeit haben, schiebt man so manches bis zum Schluss. Und so wird´s langsam eng mit der Zeit. Ausserdem warten wir auf unser „Russland-Visum“, da wir unbedingt durch Russland reisen und Sankt Petersburg anschauen wollen.

Für die ganze Tour planen wir ca. 3 Monate ein. Über die Mecklenburgische Seenplatte möchten wir zur Ostsee reisen, mit dem ein oder anderen Zwischenstopp in Deutschland. Aber danach sind wir quasi für alles offen, und planen die Strecke eigentlich gar nicht. Wir müssen uns lediglich an unser Russlandvisum halten, d.h., frühestens am 1. Juli können wir einreisen und spätestens am 31. Juli müssen wir ausreisen.       

Weiter geht´s hier wieder an unserem Abreisetag!                                                               

1.Tag 16.06.19 / 273 km

So, jetzt geht´s wirklich los. Eeeendlich!!!!

Nach Tagen der Warterei auf eine Pumpe, die Andi zur Reparatur der Solaranlage in Neubiberg gebraucht hätte, die heute wieder nicht eingetroffen ist, sind wir losgefahren. Wir hatten zwar jede Menge Zeit alles zu erledigen, aber es gibt halt doch noch einiges, was man kurz vor der Abreise erst machen kann. Naja, und dann gibts auch noch so manches, was man, vor allem ich, schiebt und schiebt und …. So habe ich zum Beispiel einen Tag vor Abreise eine Markise, bzw. Sonnensegel, genäht. Und die dafür notwendige Kederschiene müssen wir erst noch unterwegs ans Wohnmobil kleben. Achja, und auch am Vortag hat Andi noch schnell eine Aussenduschvorrichtung am Womo installiert. Nachdem dann eeeeendlich alles (hoffentlich) erledigt war, fuhren wir auf die Autobahn Richtung Berlin. Das ist ein ganz unglaubliches Gefühl, wenn man losfährt und weiss, dass man für die nächsten ca. 3 Monate totale Freiheit genießt. Der ganze Stress der letzten Tage ist plötzlich wie Ballast von einem gefallen.

Bei Pottenstein, das ist nördlich von Nürnberg, verließen wir die Autobahn und fuhren in die „Fränkische Schweiz“. Heute Nacht genehmigten wir uns einen Campingplatz. Sehr schön gelegen, zwischen Kletterfelsen, einem idyllisch dahin fließenden Bach, der Püttlach, liegt der C.platz „Bärenschlucht“. Inmitten lauter Wohnwagen haben wir ein schönes Plätzchen gefunden, wären da nicht die schreienden Jungvögel, vermutlich eine Raubvogelart. Leider konnte ich trotz unserem neuen Fernglas nicht erkennen um welche Spezies es sich handelt.

Berichtigung: Ich konnte es doch noch herausfinden, es sind Baumfalken.

2.Tag 17.06.2019 217km, gesamt 490km

Sehr angenehme und ruhige Nacht, gemütliches Frühstück im Freien, bestes Wetter. Gleich ums Eck gibt es so eine Art Vergnügungspark mit Sommerrodelbahnen, Kinder-Achterbahn, Klettergarten, und einem imposanten „Skywalk – Aussichtssteg“. Da sind wir hin.

Klettergerät

Danach haben wir eine Führung in der benachbarten „Pottensteiner – Teufelshöhle“ unternommen. Wir besichtigten mittlerweile schon diverse Tropfsteinhöhlen in den verschiedensten Ländern, letztendlich sind sie doch alle sehr ähnlich, die eine größer, die andere kleiner… Die heutige Höhle haute uns sicher nicht vom Hocker, aber insgesamt war es ein sehr schöner Ausflug.

Gegen 15 Uhr fuhren wir dann wieder auf die Autobahn Richtung Berlin. Bei Leipzig West verließen wir diese und steuerten einen Stellplatz an, den wir vorher schon auf unserer geliebten und erprobten App „Park4Night“ ausgewählt hatten. Dieser lag an einer sehr wenig befahrenen Nebenstraße im Nordosten Leipzigs an einem See/Bach? Namens „Mittlere Mulde“. Zu Fuß erkundeten wir noch etwas die Gegend und entdeckten einen kaum sichtbaren Weg ohne irgendwelche Verbotsschilder, der direkt am Gewässer endete. Fast uneinsehbar und zum Glück auch nahezu eben. Da mussten wir natürlich hin! Gott sei Dank haben wir Allrad und viel Bodenfreiheit, sonst wäre es nicht möglich gewesen. Schließlich heizten wir den Grill an und lauschten den Fröschen und den Vögeln.

3.Tag Dienstag 18. Juni 2019 – 257 km, gesamt 747 km –

Wieder mal Frühstück draussen, im Schatten unter einer Weide direkt am Ufer der „Mittleren Mulde“ mit Blick auf Seerosen, Enten und Schwänen. Da, seit dem wir hier stehen, keine Menschernseele vorbeigekommen ist, haben wir auch gleich die Aussenddusche ausprobiert. Da kann ich nur sagen, toll! Der Aufwand hat sich gelohnt. Schließlich kam doch noch eine einheimische Hunde-Gassi-Gängerin vorbei. Eine sehr freundliche ältere Dame mit Labrador, mit der wir ins Gespräch kamen. Wir erzählten, dass wir eigentlich nur auf der Durchreise sind, aber heute Leipzig einen Besuch abstatten wollen. Da empfahl sie uns gleich den „Uni-Tower“. Im obersten, dem 29. Stockwerk, kann man sehr gut essen und hat gleichzeitig einen super Ausblick auf die Stadt. O.k., das hört sich gut an.

Also, alles zusammenpacken und los. Zuerst fuhren wir allerdings zum Einkaufen und dann auf den Parkplatz des Red Bull Fußballstadions in Leipzig. Zu Fuß marschierten wir in die Innenstadt und zielstrebig zum Hochhaus. Vorher besorgten wir uns in der Touristeninformation noch einen Stadtplan. So, jetzt nichts wie rauf in die 29. Etage. Ein nobles und sehr schickes Ambiente erwartete uns. Schwarz eingedeckte Tische, direkt an den Fenstern mit fantastischem Ausblick und mit elegant schwarz gekleideten Obern. Wir nahmen Platz am Tisch mit Aussicht auf das Völkerschlacht Denkmal. Die Speisekarte betrachteten wir nicht genauer (Hauptgerichte ab 30,–). Unsere Wahl viel, ganz klar, auf das 3-Gänge Business-Menü für 11,– Euro, das uns die Dame von heute morgen empfohlen hatte. Die Portionen seien zwar sehr klein, aber auch sehr gut. Und so war es auch. Nach diesem ausgezeichneten Mittagessen schlenderten wir durch die City und machten jede Menge Fotos. Und, das soll ich von Andi ganz spezel extra erwähnen, dass er äusserst überrascht ist, so eine prosperierende, moderne Stadt vorzufinden.


So, jetzt geht´s aber weiter. Wieder mal auf die Autobahn immer Richtung Norden. Unsere Ausfahrt heißt Neuruppin. Nach etlichen Kilometern durch schönen alten Mischwald erreichten wir unser Ziel, nämlich den „Kalksee“ bei dem Dorf Binenwalde. Eine kleine Kuhweide, ein sandiger Parkplatz, unzählige Badestellen und ein Dixie-Klo, achja und Einsamkeit

4.Tag 19. Juni 2019 – 89 km, gesamt 836 m –

Das Allererste, was wir heute machten, gleich nach dem Aufstehen, war Schwimmen gehen. Wow, war das schön! Super angenehmes Wasser. Dann noch ne Weile im Gras liegen in der warmen, noch nicht heissen Sonne. Jetzt gibt´s aber Frühstück. Anschließend schnell zusammenpacken. Alles, was rumliegt in der Kabine aufräumen, die Faltstühle in die sogenannte „Garage“, unseren neuen Minitisch in die Kabine, kontrollieren, ob alle Fenster zu sind und, das wichtigste, die Kühlschranktüre sichern. Fertig zur Weiterfahrt. Heute fuhren wir bis Waren an der Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte. Ein Freund von uns erzählte, dass es dort so schön sei. Naja, und an die Müritz muss man ja schließlich auch mal in seinem Leben. Wir wählten die Route ohne Autobahn und so kamen wir durch sehr kleine Ortschaften, u. a. durch ein sehr hübsches Dorf, Flecken Zechlin. Da hat es uns ordentlich durchgeschüttelt! Kopfsteinpflaster der übelsten Sorte. Die Straßen sind allgemein ein absolutes Flickenwerk, teilweise in miserablem Zustand. Aber dieses Kopfsteinpflaster war der Hammer! Wir schafften es aber trotzdem ohne Achsbruch bis Waren/Müritz, haha.


Nachdem uns der Campingplatz nicht 100 %ig zusagte, und wir ja eigentlich lieber frei stehen, suchten wir wieder mal über unsere App einen Stellplatz. Direkt am „Jabelschen See“ bei Jabel waren ein paar nette kleine Badestellen. Nur leider alle belegt. Also stellten wir uns derweil an die Seite und warteten bis der erste wegfuhr. In der Zwischenzeit reparierte der Andi ein paar Sachen. Der Wetterbericht meinte, dass es kein Gewitter geben wird, also packten wir den Grill aus. Ein Einheimischer unterhielt sich ziemlich lange mit Andi und man konnte raushören, dass er wohl einer derjenigen war, die der guten alten DDR-Zeit nachtrauerte. Ich sprach das Thema Montagsdemonstrationen in Leipzig an, und den Mut, den die Bevölkerung damals aufbrachte. Ich wollte seine Reaktion sehen und war doch sehr überrascht, dass er überhaupt nicht darauf einging. Im Gegenteil, er wechselte sofort das Thema. Den Abend saßen wir lange draussen und sahen auf den See hinaus.

5.Tag Donnerstag 20. Juni 2019 – 114 km, gesamt 950 km –

Puh, sehr sehr windig ist es heute morgen. Bereits in der Nacht, als ein Ast mit lautem Krach aufs Auto fiel, überlegte ich, ob es vielleicht nicht gescheiter wäre, den Standort zu wechseln, weg von den Bäumen.
Das Wetter konnte sich nicht entscheiden zwischen Regen und Sonnenschein. Da wir eh weiter fahren wollten, hofften wir auf besseres Wetter an unserem neuen Ziel. Und das war Dierhagen an der Küste gelegen. Ca. 1 Std. Fahrt von Rostock entfernt. Dort wollten wir unsere Nachbarn besuchen. Man glaubt es kaum, aber wie der Zufall so spielt, verbringen sie eine Woche an der Ostsee, wo wir unsere Ostsee-Umrundung starten wollten.
Zuvor allerdings machten wir Halt am Parklplatz am Hafen von Rostock. Zu Allererst marschierten wir natürlich in die erste Fischbude die wir sahen. Andi aß eine Matjes-Semmel, oh, sorry, hier heißt es ja Brötchen, und ich hatte geräucherten Butterfisch. Hmmmm, lecker. Danach schlenderten wir durch die Fußgängerzone. Wir hatten nicht allzuviel Zeit, da wir ja bei unseren Nachbarn zum Kaffee eingeladen waren. Nettes Städtchen dieses Rostock.
Pünktlich um 15 Uhr kamen wir an und nach Kaffee und einem sehr leckeren Quarkbällchen frisch vom Markt, machten wir eine Radltour zum Strand. Abends luden sie uns zum Essen in ein Fischrestaurant ein. Ich kann nur sagen, mein Dorschfilet auf Blattspinat mit Bratkartoffeln war super gut! Den Sonnenuntergang schafften wir leider nicht mehr, wir konnten lediglich die leuchtend orange Kugel durch die Bäume durchspitzen sehen. Macht nichts, es war auf jeden Fall ein sehr schöner Tag.

an der Ostsee mit unseren Nachbarn

6.Tag Freitag 21. Juni 2019 – 96 km, gesamt 1046 km

Die Nacht verbrachten wir, verbotenerweise, auf einem Parkplatz am Hafen ganz in der Nähe der Ferienunterkunft unserer Nachbarn. Es hatte geregnet und wir hatten Glück, es hat uns niemand vertrieben. Wir verabschiedeten uns von Andreas und Susanne, die wir voraussitzlich erst Mitte September wieder sehen werden.
Wir hatten beschlossen, in Stralsund eine Besichtigungspause einzulegen und anschließend nach Rügen weiterzufahen. Von Stralsund sind wir sehr positiv überrascht. Im Leben hätten wir nicht damit gerechnet, dort mal hin zu kommen. Und dann ist das auch noch so eine hübsche Stadt. Viele kleine Geschäfte, Fußgängergassen, Fischlokale, wunderschön sehr gut renovierte Häuser mit tollen Fassaden. Am Hafen wurden grade viele Buden und Stände aufgebaut. Am Wochenende sollte dort eine Anglermesse statt finden. Wieder am Auto setzten wir unsere Fahrt fort nach Rügen zu dem Naturcamping „Pritzwald“ im Süden der Insel. Das Schönste Plätzchen suchten wir uns aus. Direkt am Meer, etwas erhöht, um uns rum lauter sehr nette Dauercamper.