Woche 2: 22.06.19 – 28.06.19

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7.Tag Samstag 22. Juni 2019 – 0 km, gesamt 1046 km

Wenn das erste, was man gleich nach dem Aufwachen vom Bett aus sieht, blaues Meer, Sand und wolkenfreier Himmel ist, kann der Tag nur gut werden. Ich sagte, bzw. schrieb gestern ja schon, dass wir den schönsten Platz hier ergattert hatten. Noch vor dem Frühstück wagten wir uns in den Bodden. Für uns ist es die Ostsee, für die Einheimischen ist es aber ein Binnenmeer, ein Bodden. Etwas weniger Salzgehalt. Egal, es war jedenfalls sehr erfrischend, aber nicht wirklich kalt. Das Schwimmen gestaltete sich allerdings etwas schwierig, da die Wassertiefe nach gefühlten 50 m immer noch nicht mal bis zur Hüfte reichte.
Nach jeder Menge „rumnsandteln“, ratschen mit den netten Dauercampern, spazierengehen am Strand, diversen Reparaturarbeiten am Womo, hissen der Bayernfahne, bauten wir unsere provisorische Aussenkochstelle auf.

Es gab Nudeln mit Gemüse und sehr wenig Fleisch, trotz lautstarker Proteste von Andi.
Übrigens, die Reparaturarbeiten waren: Anbringen der Kederschiene für unsere Markise, bzw. Sonnensegel, provisorische Abdichtung der Frontscheibe, die bei Regen undicht ist, und die Reparatur der Spiegelschranktüre im Bad. Diese ist rausgefallen, als Andi mal wieder vergessen hat, dass man mit diesem Fahrzeug nicht mit 50 km/h über Bodenschwellen fahren sollte.

Sonnenuntergang mal anders
Bodden
Unser tolles Plätzchen

8.Tag Sonntag 23. Juni 2019 – 60 km, gesamt 1106 km

Heute war Wandertag. Ca. 15 km marschierten wir durch die Rügensche Landschaft. Nach dem Verlassen unseres tollen Platzes fuhren wir Richtung Norden, immer noch auf der Insel Rügen, mit Zwischenhalt in Prora. Prora wurde im 2. Weltkrieg von Hitler für die Soldaten und deren Angehörigen erbaut, um dort Ferien zu machen. Es ist mit Abstand das längste Gebäude Deutschlands, mit ehemals 5 km! Länge. Es ging nie wirklich in Betrieb und diente nach dem Krieg der nationalen Volksarmee als Kaserne. Heute werden einzelne Blöcke verkauft und verschiedenen Nutzungen zugeführt. Z.B. als Jugendherberge, Seniorenresidenz, aber auch Luxuswohnungen. Teilweise sind die Bauten vollständig renoviert, teilweise in baufälligem Originalzustand. Wir liefen aber auch durch aktive Baustellen. Etwas gruselig fand ich es, es wirkte auf mich wie ein Fremdkörper hier direkt am Meer (noch) ohne jegliche Infrastruktur aussenrum.

Prora
Naziinstallationen


Ziemlich erledigt von der Latscherei in der Sonne im weichen Sand fuhren wir weiter nach Jasmund mit dem berühmten Kreidefelsen. Wir folgten, eigentlich wie immer, nicht den ausgetretenen Massentourismuspfaden (9,50 Euro Eintritt/Person), sondern fuhren den Naturcampingplatz „Krüger“ bei Nipmerow an. Direkt von dort kann man auch zu dem Kreidefelsen wandern (kostenlos).
Nach dem Abstellen unseres Wohnmobils auf der großen Wiese spatzierten wir nach Lohme, einem touristischem Fischerörtchen, und runter an den Ostseestrand.

Hinweg auf der Strasse

In Lohme bestellten wir uns eine Portion „Labskaus“. Wir hatten keine Ahnung, was das ist und mussten es natürlich probieren. Ja, kann man gut essen, war wirklich lecker. Es besteht aus gepökelter Rinderbrust, Kartoffeln und Matjes. Das wird gekocht und alles durch den Fleischwolf gedreht, gewürzt, fertig. Zurück liefen wir durch unglaublich schönen Buchenwald.

9.Tag Montag 24. Juni 2019 – 304 km, gesamt 1410 km –

Heute steht natürlich der Kreidefelsen an, deswegen sind wir ja hier. Direkt vom Wohnmobil aus marschierten wir, wieder durch diesen tollen einsamen Wald, bis wir auf immer mehr Leute und schließlich das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl erreichten. Dort gab´s jede Menge Rummel, das haben wir aber alles links liegen lassen und sind Richtung Felsen, dem Königsstuhl. Natürlich waren dort überall Zäune, dass man nicht bis vor zur Abbruchkante gehen konnte. Hätte ich mich eh nicht getraut, da ja immer wieder Teile abbrechen. An einer Art Steg konnte man dann auf die Steilküste sehen und Fotos machen.

Also, vom Hocker hat uns das alles nicht gerade, aber die Wanderung durch den Buchenwald hat sich jedenfalls gelohnt.
Weiter geht die Fahrt, diesmal Richtung Osten. Runter, auf´s Festland, durch endlose Getreidefelder und Wiesen. Über eine kleine Brücke fuhren wir auf die Insel Usedom und südlich von Swinemünde passierten wir die polnische Grenze. An der 1. Tankstelle waren wir total überrascht, hier gilt nicht der Euro, sondern der polnische Zloty. Oh, wie peinlich!
Ein paar Kilometer weiter ging die Fahrt mittels einer kostenlosen! Fähre über den Fluss „Swine“. Als Übernachtungsplatz hatten wir uns mit unserer App eine Stelle bei Wicko ausgesucht. Wir hatten, wie immer die Koordinaten ins Navi eingegeben, was normalerweise immer klappt. Plötzlich landeten wir auf einer sandigen Piste. Ohne Allrad wären wir mit Sicherheit festgesteckt. Gefallen hat es uns hier nicht wirklich, deshalb steuerten wir jetzt die Alternative an und landeten an einem kleinen See, dem „Jezioro Zatorek“. Direkt an einem Freitzeitgelände mit Tischen und Bänken in hervorragendem Zustand. Na, da packen wir doch gleich unseren Grill aus.

10. Tag Dienstag 25. Juni 2019 – 30 km, gesamt 1440 km –

Nachmittags sind wir heute erst weggekommen, da ich heute sehr viel ins Tablet eintippen wollte. Die letzten Tage hatten wir immer so ein schlechtes oder gar kein Internet, dass sich nun einiges angesammelt hat. Die Gelegenheit nutzten wir natürlich auch gleich dazu, endlich ein paar Fotos hochzuladen. Zuvor hat sich Andi damit beschäftigt, ein Programm runterzuladen, um die Bilder zu komprimieren. Als das dann endlich alles erledigt war, verließen wir den Platz Richtung Osten. Sehr weit sind wir allerdings nicht gekommen. Da die Küste, bzw. die Sandstrände hier in der Gegend sehr schön sein sollen, suchten wir uns einen kleinen Campingplatz, den „Keja-Camp“. Zum Strand waren es nur ein paar Gehminuten, also machten wir uns gleich auf den Weg. Selbstverständlich gab es hier auch jede Menge Eisbuden, Kioske, Imbissbuden, Pizzerien und Spielgeräte für Kinder. Es gab auch allerlei verschiedene Fortbewegungsmittel auszuleihen. Buggy´s, E-Roller, Gokart´s, so ne Art Segway´s, und natürlich Fahrräder. Man konnte jetzt nicht direkt sagen, dass das alles hier besonders gepflegt aussah, irgendwie alt und einfach. Wie Rimini & co. vor 40 Jahren. Was jedoch wieder seinen gewissen Charme hatte. Wir empfanden es auch als sehr positiv, dass nicht alles mit Schranken und kostenpflichtigen Parkplätzen abgesperrt war. Wer weiß, wie es hier in ein paar Jahren aussieht. Vielleicht genauso überlaufen wie in Italien.
Abends hatten wir Lust auf echt polnische Küche, jedoch gab es hier vor Ort lediglich ein Restaurant, direkt am Strand, da gab es leider nur Pizza. Das Ambiente war aber so schön, dass wir eben Pizza bestellten. Wirklich lecker, sehr groß, unglaublich günstig. 2 Pizzen, 2 Getränke für umgerechnet 15 Euro!

Hier gab es die leckere Pizza

11.Tag Mittwoch 26. Juni – 192 km, gesamt 1632 km –

Den Strand hatten wir gestern ja schon angeschaut, ein ewig langer super sauberer Sandstrand, genauso wie an der deutschen Ostsee. Laut Reiseführer sind die Strände teils mega überlaufen in der Hauptsaison, aber offensichtlich ist noch keine Hauptsaison. Es geht ziemlich entspannt zu, obwohl bereits seit 4 Tagen die Ferien in Polen begonnen haben. Deutsche Wohnmobile sehen wir ab und zu, auch auf dem gestrigen Campingplatz standen 5 oder 6.
Wir jedenfalls haben beschlossen, die polnische Ostseeküste nicht genauer zu bereisen, wir wollten nur noch die sogenannte „Polnische Sahara“ anschauen, ja und danach Danzig. Für heute hatten wir rund 200 km vor uns, die wir nicht auf der küstennahen Straße fahren wollten, sondern auf der 2. Möglichkeit, etwas weiter im Landesinneren. Die Qualität der Straßen war allerdings auch hier teils katastrophal!! In unserem sehr hart gefederten Fahrzeug hat es uns rumgeschaukelt wie in einem winzigen Boot bei sehr hohem Seegang. Zwischendurch legten wir eine Einkaufspause ein in einem Supermarkt, der sich von unseren in keinster Weise unterscheidet, ausser in den Preisen. In Polen ist es doch etwas günstiger.
Wir fuhren einen äusserst kleinen Campingplatz an, der zwischen den Städten Rowy und Leba liegt. Nachdem diese Gegend in einem Nationalpark liegt, und wir so nah wie möglich an die Dünen fahren wollten, campierten wir doch lieber nicht wild. Der eigentliche Zugang zu der Wanderdüne, die die Polen eben Polnische Sahara nennen, führt über die Ortschaft Leba. Dort ist allerdings ein Wahnsinns-Rummel mit Shuttle Bus, Fahrradverleih und weiss nicht was noch alles. Auf so ein Spektakel haben wir aber so gar keine Lust. Von diesem Campingplatz aus kann man auch direkt dort hinlaufen, quasi alleine.
Heute spazierten wir schon mal zum Leuchtturm, und von da aus ginge es noch weiter zu der ersten Wanderdüne.

Wanderdüne vom Leuchtturm aus gesehen

Das werden wir morgen eventuell vom Strand aus in Angriff nehmen. Jetzt kommt, nach ca. 7 km Wanderweg erst mal der Grill wieder zum Einsatz und danach ein Stamperl polnischer Wodka.

12.Tag Donnerstag 27. Juni 2019 – 152 km, gesamt 1684 km –

Wir sind in Danzig angekommen. Die Fahrt war schon ein wenig abenteuerlich. Die Straßenqualität ist zum gößten Teil so unglaublich schlecht, mir ist fast unmöglich zu beschreiben, wie schlecht.

so war es leider öfter!

Schmale Straßen, allermeistens wunderschöne Alleen, aber die Bäume sind wirklich unmittelbar am Straßenrand. Der Andi, der bisher immer gefahren ist, hat manchmal große Mühe das Fahrzeug auf der Straße zu halten. Hinzu kommt, dass die Polen unglaublich schnell unterwegs sind. Landschaftlich hat sich die Gegend heute etwas verändert. Zwar gibt es immer noch riesige Getreidefelder, das Ende so weit das Auge reicht und noch weiter als das Auge reicht. Aber die Landschaft ist auch hügeliger geworden.
In fast jedem Ort, den wir durchfuhren, waren mindestens 2 – 3 Storchennester, meist auf Strommasten, und meist mit 1 – 3 Jungstörchen besetzt.

Die Häuser der Bewohner sind oft sehr einfach, klein, in „DDR grau“, dazwischen moderne Neubauten, teils richtige Villen, und halbfertige Neubauten, die wohl nie mehr fertig gebaut werden. Kleine alte Bauernhöfe in unverputzter Ziegelbauweise und in größeren Ortschaften auch Mehrfamilienhäuser, meistens in erbärmlichem Zustand. Auffallend sind auch übermannsgroße Eisenkreuze, die sehr unterschiedlich geschmückt sind, mit den hier so beliebten Plastikblumen, manchmal aber auch mit frischen Blumen.


Schließlich sind wir in Danzig angekommen. Wir vertrauten unserem Navi, in das wir unseren zuvor ausgewählten Campingplatz eingegeben haben, aber, huch, plötzlich landeten wir auf einer Großbaustelle. Laut Navi hätten wir gerade aus müsssen, aber dort versperrten uns riesige Sandhügel (keine Erdhügel, hier ist ja alles aus Sand!) den Weg. In dem Navi, das uns in die Irre führte, hatten wir die Adresse eingegeben, das 2. Navi fütterten wir mit den Geokoordinaten, und das führte uns schließlich doch noch an unser Ziel.
So, jetzt muss ich aber noch von unserer Wanderdüne erzählen, die wir heute morgen erwanderten. Nachdem die Temperatur von gestern auf heute um 15 Grad gesunken war, sank auch die Lust auf´s wandern. Aber wir marschierten doch los und bereuten gar nichts. Im Gegenteil, die Stimmung am Meer, mit den tosenden Wellen war unglaublich schön. Wohl auch wegen des Wetters waren sehr wenig Menschen unterwegs. Nachem wir auf der „Wydma Czdpinska“, eine der Dünen angelangt waren, stapften wir in dem irrsinig feinen Sand zurück zum Strand, wo wir nach insgesamt 10 km Marsch die Fahrt nach Danzig beginnen konnten.

13.Tag Freitag 28. Juni 2019 – 0 km, gesamt 1684 km –

Unser Campingplatz liegt am Meer im Nordosten von Danzig. Dieser ist so ganz anders als die bisherigen. Sehr international. Um uns herum lauter Wohnmobile aus den verschiedensten Ländern. Österreich, Schweden, Finnland, GB, Polen, Tschechien und natürlich Deutsche (hauptsächlich) sind vertreten. Man steht ziemlich eng aneinander aber das ist nicht weiter tragisch, die meisten sind nur für ein paar Tage hier, um die Stadt anzuschauen, oder den schönen Strand zu genießen.


Wir entschieden uns, Fahrräder auszuleihen, um damit in die Stadt zu fahren. Nach ca. 20 Minuten erreichten wir die Innenstadt. Auch mit dem Fahrrad war es nicht ganz einfach, an den mega Baustellen vorbei zu kommen.


Eine super schöne Stadt! Wir stellten unsere Räder ab und begannen unsere Tour am „Grünen Tor“ gleich nach der Brücke über die „Mottlau“ mit Blick auf diverse Ausflugsschiffe. Von dort gelangten wir in den „Langen Markt“ und die „Lange Straße“. Das ist DAS touristische Zentrum, eine Fußgängermeile mit jeder Menge Geschäften, Restaurants, Cafés ….. Am „Neptun-Brunnen“ steht das Gebäude des ehemaligen Rathauses, das heute das Danzigmuseum beherbergt.

Durch die Markthalle spazierten wir und schlenderten am Kai des Flusses Mottlau entlang, am „Krantor“ vorbei.

Das ist eins der Wahrzeichen von Danzig und ist ein restaurierter Hafenkran aus dem 15. Jahrhundert, der einen schlauen Mechanismus hatte. Mittels Treträder, die durch Menschen angetrieben wurden (wie Hamster in einem Laufrad), konnten tonnenschwere Schiffsladungen empor gehoben werden. Dort ist auch ein Museum untergebracht, das sicher sehr interessant gewesen wäre. Wir sind aber zurück zu unseren Fahrrädern und fuhren noch etwas in der Stadt herum. Hier gäbe es noch unglaublich viel zu besichtigen. Etwas bedrückend wirkt natürlich auch die Geschichte auf uns, dass der 2. Weltkrieg hier seinen Anfang nahm. Man findet keine deutschen Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten, sogar in der Touristeninformation konnte ich keine deutschsprachigen Unterlagen finden.