Woche 3: 29.06.19 – 05.07.19

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14.Tag Samstag 29. Juni 2019 – 300 km, gesamt 1984 km –

Danzig hätte noch so viel zu bieten. Die Westerplatte, z.B., das Bernsteinmuseum, das Solidarnosc Denkmal, und und und. Aber wir dürsten nach Freistehen, weg von Campingplätzen mit mürrischen „Pseudocampern“, die nicht mal grüßen. Ausserdem möchten wir vorwärts kommen, und deshalb geht´s weiter Richtung Litauen. Ganz bis dahin schaffen wir´s bestimmt nicht heute, muss aber auch nicht sein. Auf dem Weg lagen diverse Sehenswürdigkeiten, z. B. der Rollberg am Elblag-Ostroda-Kanal. Dort werden seit ca. 1860 Schiffe über eine Höhendistanz von 19 m auf Schienen „aufgeschleppt“. Oder „Tannenberg“. 1914 fand hier eine blutige Schlacht statt, mit gravierenden Auswirkungen auf die Geschichte Europas. lt. Reiseführer „Ostsee-Runde“. Erwähnenswert ist die super super Schnellstraße. Da macht „Vorwärtskommen“ Spaß! Natürlich mit EU Geldern finanziert.

Am größten See Polens in der Masurischen Seenplatte, dem „Sperlingsee“, polnisch „Sniardwy-See“, wollten wir unser Nachtlager aufschlagen. Laut unserer App ist die Fahrt zu der Halbinsel für höhere Wohnmobile nicht zu schaffen, aber einen Versuch war´s wert. Wir haben es geschafft. Die Kabine hat sicher ein paar Kratzer abbekommen von den tief hängenden Ästen.

tiefhängende Äste im Weg

Aber dann hätte es kein Offroad-Mobil werden dürfen. Dummerweise ist heute Samstag, da sind sehr viele Leute, die das Wochenende mit Zelt oder Wohnwagen hier verbringen. Irgendwann fanden wir doch noch ein sehr nettes Plätzchen direkt am Wasser. Kurz drauf durften wir noch einen sehr schönen Sonnenuntergang genießen.

15. Tag Sonntag 30. Juni 2019 – 0 km, gesamt 1984 km –

Als wir am Samstag ins Bett gingen, hatten wir erst mal einen Kampf mit gefühlt hunderten Insekten zu bestreiten, einer sehr kleinen Mottenart. Trotz Mückenschutzgitter hatten diese Tierchen einen Weg ins Innere der Kabine gefunden, vermutlich durch die Lüftungsschlitze an den Fenstern. Diese haben wir gleich zugeklebt. Aber, Gott sei Dank, diese Viecher stechen nicht.

Im Laufe des Tages gesellten sich immer mehr Badegäste um uns herum. Familien mit Kind und Kegel, Omas, Opas und etliche Hunde. Aber wen wunderts bei diesen Temperaturen. Die Spitze lag bei ca. 33 Grad, gefühlt aber 40.

Sonnenschutz mit allen Mitteln

Ich darf natürlich nicht rumjammern, schließlich konnten wir ja jederzeit ins kühle Nass hüpfen. Die Badegäste gingen irgendwann und die Übernachtungsgäste kamen. Wohnmobile aus Tschechien und Dresden stellten sich neben uns.

Der Sonnnenuntergang heute war noch schöner als gestern.

16.Tag Montag 01.07.2019 – km 170 km, gesamt 2154 km –

Sehr windig war es heute Nacht. Morgens wurde der Himmel immer dunkler. Mit dem Abbau der Sonnenmarkise und der Aussenkochstelle wurden wir grade noch rechtzeitig fertig, bevor das Gewitter mit Hagel und heftigem Regen auf uns niederprasselte. Wir schafften es noch einigermaßen trocken ins Womo. Das war die Gelegenheit Fotos und die fehlenden Tagesetappen auf unsere Website hochzuladen. Plötzlich kam ein riesiger Schwarm Kormorane, bestimmt mehrere Hundert wenn nicht Tausende, und stürzten sich auf die Wasseroberfläche um zu „frühstücken“. Was für ein Spektakel! Jetzt kann ich mir gut vorstellen, dass die Angler kaum mehr Erfolg haben, da die Kormorane alles leerfischen. Das hörte ich schon von mehreren Leuten. Immer wieder begann das Gewitter von neuem, wir setzten nun trotzdem unsere Fahrt gen Nordosten fort. Theoretisch könnten wir heute in Russland einreisen,(unser Russland Visum würde ab heute gelten) aber wir haben noch das ganze Baltikum vor uns und da gibt es auch so viel zu sehen! Je näher wir an die litauische Grenze kamen, um so mehr Störche sahen wir.

Bevor wir Polen verließen, kauften wir noch Lebensmittel bei „Bierdronska“ ein. Irgendwie mussten wir die übrigen Zloty´s loswerden! Das ist ein hiesiger Lebensmitteldiscounter, ähnlich wie Aldi, Netto und co. Lidl ist hier auch sehr häufig vertreten, sogar Kaufland gibt es. Aber Aldi habe ich lange schon keinen mehr gesehen. Die Fahrt führte auf relativ guten, ewig geraden Straßen dahin, hauptsächlich durch Wälder und immer wieder tauchten Seen auf. Die Grenze nach Litauen war unspektakulär, selbstverständlich ohne Grenzkontrollen.

Relativ zügig suchten wir uns einen Schlafplatz, natürlich an einem See, dem Dusia-See. Auch hier sind wir nicht alleine, aber das stört uns nicht.

17. Tag Dienstag 02. Juli 2019 – 143 km, gesamt 2297 km –

Das Wetter wird nicht wirklich besser. Windig, nur noch ca. 18 Grad, teils sehr wolkig, aber auch immer wieder sonnig. Wir fahren jetzt jedenfalls weiter, und zwar nach Vilnius, in die Hauptstadt Litauens. Und wieder begleiten uns riesige Kornfelder, Wälder und Wiesen mit vielen vielen Störchen. Am Straßenrand sitzen Leute und wollen Himbeeren und Heidelbeeren verkaufen, die sie vermutlich in den angrenzenden Wäldern selbst gepflückt haben. Einmal war sogar ein Stand, an dem hätte man Hirschgeweihe und Reisigbesen kaufen können.*Mittlerweile sind die tristen mausgrauen Häuser verschwunden, dafür tauchen immer öfters kleine nette braun gestrichene Holzhäuschen auf.*Dann plötzlich moderne Hochhäuser.*Wir haben Vilnius erreicht. Laut „Ostsee-Runde“ Reiseführer liegt der Parkplatz an der Vilnia Mündung, sehr zentrumsnah und doch ruhig. Ausserdem ist das Übernachten dort erlaubt. Interessant ist auch das Bezahl-System. Beim Einfahren in den beschrankten Parkplatz wird das KFZ Kennzeichen gescannt und beim Bezahlen nach max. 24 Std. tippt man einfach das Kennzeichen in den Automaten, bezahlt und die Schranke öffnet sich.

Na, dann schauen wir uns doch mal Vilnius an. Die Kathedrale mit dem frei stehenden Glockenturnm war sehr imposant.*Die Gassen der Altstadt gleich ums Eck locken mit unzähligen Cafe´s. An etlichen Kirchen spazierten wir vorbei, als plötzlich aufkommender Wind und Regen uns in eine Bar trieb. Der Regen hörte zwar irgendwann auf, aber es war ziemlich frisch geworden. Da wir leider unsere Jacken im Auto vergessen hatten, steuerten wir gezielt sogleich ein Restaurant an, das wir vorher schon übers Internet aussuchten. Im „Bernelin Uzeiga“ aßen wir sehr gute osteuropäische Gerichte, u.a. eine typisch litauische kalte Rote Beete Suppe. Die „Saltibarsciai“ besteht aus Gurke, roter Beete, Kefir, hartgekochtem Ei und jeder Menge frischem Dill. Serviert wird sie mit gekochten Kartoffeln. Sehr, sehr lecker. Nach Hause gings dann ziemlich schnell, da ich doch sehr fror. Mit Jacken und langen Hosen marschierten wir kurz drauf gleich wieder los, ne Runde um den Stock. Ein Stück an der, oder dem?, Neris entlang, dem Stadtfluss. Vorbei an riesigen halb verfallenen Bauten,* unschönen mehrstöckigen Wohnhäusern, a´la Neuperlach, und dazwischen uralte Holzhäuschen.Die einen wild romantisch, mittlerweile schon dezent farbig geschrichen, die anderen eher baufällig, total verkommen. Oben auf dem Hügel, dem „Berg der drei Kreuze“ bestaunten wir den tollen Ausblick auf die Stadt, um danach entsetzt den Abstieg anzutreten. Unglaublich steil und rutschig auf einem sandigen Steig. Als wir dann noch eine Abkürzung durchs Dickicht nahmen, waren wir sehr froh, endlich am Wohnmobil angekommen zu sein.

18. Tag Mittwoch 03. Juli 2019 – 349 km, gesamt 2646 km –

Relativ früh, zumindest für unsere Verhältnisse, fuhren wir heute los, das heisst, wir wollten los. Das ach so tolle Park-System stellte sich als Desaster dar, die sich nicht öffnende Schranke als unüberwindbares Problem. Offensichtlich ist beim Scannen unseres Nummernschildes beim Einfahren ein Fehler passiert, denn dieser (dumme) Kassenautomat akzeptierte keine! unserer Eingaben. Auch die Hotline-Nummer funktionionierte natürlich nicht. Als schließlich wieder ein Auto einfuhr und sich die Schranke öffnete, stellte ich mich sofort for die Lichtschranke und der Andi konnte endlich rausfahren. Ohne zu bezahlen! Aber das war nun wirklich nicht unsere Schuld.

Heute sind wir zum ersten Mal eine richtige Autobahn gefahren. Ist sie evtl. sogar die einzige im Lande? Auf direktem Weg nach Klaipeda an der Küste. Andere Länder, andere Sitten kann man nur sagen, denn hier gibt es Bus-Haltestellen an der Autobahn und Radlfahrer, die auf der Standspur fahren. Verrückt.

Nachdem die Hafenstadt Klaipeda, das früher einmal Memel hieß, ausser ein paar Fachwerkhäuser in der Altstadt angeblich nicht viel zu bieten hat, zumindest nicht für Touristen, fuhren wir gleich zur Fähre.

Diese brachte uns in 10 Minuten auf die Kurische Nehrung. Etwas unschlüssig, war wir hier eigentlich machen wollen, beschlossen wir die 30,– Euro Naturschutzgebühr zu bezahlen und weiter auf der Nehrung Richtung Süden in den Naturpark zu fahren. Dieser endet dann an der russischen Grenze zur Exklave Kaliningrad/Königsberg. Rechts von uns das Meer, links von uns das Kurische Haff. Irgendwann bogen wir links ab und fanden eine fantastisch schöne Übernachtungsstelle mitten im Grünen mit Blick auf das Haff und den Ort Pervalka.

Blick auf das Haff der Kurischen Nehrung

Es dauerte nicht lange, da kamen zwei Wohnmobile aus Schweden und später gesellte sich noch ein Pärchen im VW-Bus aus Berlin zu uns.

19. Tag Donnerstag 04. Juli 2019 – 298 km, gesamt 2944 km –

Das Frühstück im Freien in der angenehmen Sonne genossen wir heute sehr, vor allem in dieser herrlichen Umgebung. Mitten im Grünen.

Der Blick vom Wohnmobil

Die Schwalben zischten über unseren Köpfen hinweg, man hatte grad das Gefühl, man müsse den Kopf einziehen. Ist ja eigentlich kein gutes Zeichen, wenn die Schwalben so tief fliegen. Schau ma moi, noch ist schönes Wetter. Die Schweden waren schon abgereist und nach einem kurzen Pläuschchen mit den Berlinern verließen auch wir diesen schönen Platz. Ein Stückchen fuhren wir erst mal, nur zum nächsten Parkplatz, zurück Richtung Fähre. Von hier aus konnte man auf die Düne wandern. Ein bisschen wunderten wir uns schon, warum Eintritt verlangt wurde, hatten wir doch erst gestern 30,– Euro Naturschutzgebühr bezahlt. Naja, wenns denn für nen guten Zweck ist. Also stapften wir los, das heißt, diesmal sehr luxurios auf einem Holzsteg! Da hatten wir uns allerdings zu früh gefreut, nach der halben Strecke mussen wir doch noch im sehr weichen Sand die ca. 50 m hohe Düne erklimmen. Oben angelangt hatten wir einen tollen Blick.

Blick Richtung Süden ins Haff.

Auf der einen Seite zum Haff und auf der anderen Seite zur Ostsee. Dazwischen Sand, Sand, Sand. Das war ein sehr schöner kurzer Ausflug. Ab jetzt saßen wir die nächsten 5 Stunden im Auto. Wieder endlose Felder

Wälder, Wiesen und ab und zu ein See, ach ja und hin und wieder ein Kreisverkehr. Nach zig Kilometern schnurgerader Straße war dies eine Abwechslung, wenn man von den Störchen mal absieht, die direkt am Straßenrand dahin stolzierten. Ein mal stand sogar mitten auf der Straße einer. Ziemlich genau nach der Hälfte der Strecke passiertenwir die Grenze zu Lettland. Wir vermuteten schon, dass sich nichts, oder fast nichts ändern sollte. Das war auch so! Dann war´s soweit, wir trafen in Riga ein. Auch hier wieder (ein paar wenige) Hochhäuser, und nette kleine Holzhäuschen am Straßenrand.

Unser Ziel für heute ist einer der beiden Stadt-Campingplätze, der „Camping Riverside“. Direkt gelegen am Hafen auf einer Insel. Ziemlich voll, aber für uns gabs noch ein Plätzchen zwischen Franzosen, Finnen, Deuschen und Polen. Heute machen wir nichts mehr, nicht mal mehr einen Spaziergang. Lediglich die tolle Abendstimmung habe ich versucht einzufangen.

Direkt am Camping riverside lagen diese Segelbote
Über diese Brücke fuhren wir auf die Insel Kipsala

20. Tag Freitag 5. Juli 2019 – 5 km, gesamt 2949 km –

Selbstverständlich stand heute Riga auf dem Programm. Die Frage war nur, wo parken wir. Der Campingplatz ist viel zu weit weg von der Altstadt, zu Fuß 45 Minuten, der Campingplatz nur zum parken zu teuer. Also fuhren wir rüber auf´s Festland und parkten am Fährhafen.*Dann marschierten wir los. Zuerst mussten wir was in einem „Copyshop“ erledigen, dann gingen wir zu den Markthallen.*In den 4 Hallen wurden Fleisch, Fisch und Käse angeboten, dazwischen im Freien versuchten Bauern und Händler ihr Gemüse und Obst zu verkaufen. Ein Stand faszinierte uns besonders, eine Kaffeerösterei.*Natürlich mussten wir diesen lettisch-türkischen Mocca-Spezial-Gewürz-Kaffee, der auf heissem Sand gebrodelt wurde, probieren. Ich liebe solche Märkte! Natürlich war auch für den Andi was dabei. In einer Halle hat er eine Flasche original Premium-Wodka aus Weissrussland erstanden. Genug geschlemmt.

Einen ganz besonderen Eindruck machte das „Schwarzhäupterhaus“ auf uns. Im Jahre 1334 wurde es errichtet und diente als Herberge für auswärtige, ledige Kaufleute. Mehrere Inschriften an der Fassade in deutscher Sprache sind Zeuge auf den starken deutschen Einfluss in der Vergangenheit in Riga, was auch an anderen Stellen zu sehen war. Ebenso beeindruckt hat uns Riga´s und des gesamten Baltikums größte Orthodoxe Kathedrale. Wunderschöne Wandmalereien und Ikonen. Diese „Geburtskathedrale“, anfangs als orthodoxe Kirche erbaut, wurde später aber auch von den Protestanten genutzt und diente während der sowjetischen Besatzung sogar als Planetarium. Wir kamen noch an etlichen Kirchen, wunderschönen Häusern und Plätzen vorbei. In eine katholische Kirche setzten wir uns und schauten eine ganze Weile dem Treiben zu. Frauen kamen herein, bepackt mit großen Taschen (?), vor den Beichtstühlen standen Gläubige Schlange und in den vorderen Bänken sangen ein paar wenige, hauptsächlich Frauen, christliche, schöne Lieder.

Wegen einsetzendem Regen und scheusslichem kalten Wind kehrten wir in ein mittelalterliches Lokal ein. Dort wurde uns Bier in einer riesigen Tontasse serviert. Dort beschlossen wir auch, heute nicht mehr weiterzufahren, sondern auf dem Parkplatz die Nacht zu verbringen.