Woche 4: 06.07.19 – 12.07.19

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21.Tag Samstag 6. Juli 2019 – 255 km, gesamt 3204 km –

Viel gibt es heute nicht zu berichten, ausser, dass wir Lettland verlassen haben und nach Estland eingereist sind. Landschaftlich keine große Änderung. Wobei, ich finde es sieht hier alles irgendwie geordneter aus. Z.B. gemähter Rasen am Straßenrand. Die schnurgeraden Straßen gibt es hier allerdings auch. Spätnachmittags erreichten wir unser Ziel, diesmal im Wald ein sogenannter RMK Campingplatz. RMK ist eine staatliche Organisation, die zuständig ist für die Pflege und Aufforstung des estnischen Waldes. Diese kümmert sich auch um den Bau und Erhalt von Wanderwegen, Lagerfeuer- und Picknickplätzen. Dort sind auch Grillstellen und sogar Feuerholz vorhanden, sowie eine Toilette. Sogar das Übernachten mit einem Wohnmobil ist erlaubt. Kostenlos! Klar, dass wir da natürlich Feuer machten. Das vorhandene Holz war leider etwas feucht, aber wir hatten ja selbst welches dabei. Wir grillten frischen Lachs, der fantastisch schmeckte. Ein wirklich wunderschöner, sehr sauberer und gepflegter Platz.

22. Tag Sonntag 7. Juli 2019 – 60 km, gesamt 3264 km –

Nach einem Waldspaziergang und der Besichtigung einer uralten Burganlage, der Varbola Linnus, fuhren wir Richtung Tallinn. Als wir die Hauptstadt Estlands erreichten, fiel uns auf, dass sehr viele Leute in Tracht unterwegs waren. Später stellte sich heraus, dass dieses Wochenende ein Sängerfest stattfindet bei dem einheimische Teilnehmer typische estnische Trachten tragen. Übrigens, von dieser Sängerfestwiese „Lauluväljak“ mit einer großen gewölbten weissen Muschel nahm 1988 die „Singende Revolution“ ihren Ausgang, die als ein Mosaiksteinchen für den Untergang des Kommunismus in Europa gilt. (Lt. Reiseführer „Ostsee-Runde“). Wir fuhren auf den Parkplatz am Hafen, an dem die riesigen Fährschiffe nach Helsinki und St. Petersburg abfahren. Dort gab es trotz des Sängerfestes genug Platz für uns. Zu Fuß erreichten wir in wenigen Minuten die Altstadt und waren sofort begeistert.

23. Tag Montag 8. Juli 2019 – 46 km, gesamt 3310 km –

Bevor wir unsere Reise rund um die Ostsee fortsetzten, liefen wir noch zu den Markthallen, die als sehr interessant und sehr modern beschrieben wurden. Uns faszinierten sie nicht besonders. Aber wir konnten wenigstens ein frisches Baguette kaufen, was hier in Estland nicht sehr einfach ist. In den Supermärkten kann man fast ausschließlich bereits geschnittenes, meist seeeeehr weiches Brot in Plastiktüten kaufen. Die Auswahl an süßen Blätterteigteilchen ist auch ziemlich groß, aber Semmeln gibts hier eigentlich gar nicht.

Wenn wir gewusst hätten, wie wunderschön unser heutiges Ziel ist, hätten wir uns bestimmt nicht so lang mit den Markthallen beschäftigt. Ein privater Campingplatz an einem See, dem Järvsee. Der Betreiber ist ein wahrer Künstler. Überall in dem parkähnlichen Gelände stehen Holzskulpturen von schönen Frauen, manche schon etwas erotisch. Auf dem Platz verteilt standen ein paar kleine Hütten, die man mieten konnte, oder in die eine Sauna untergebracht war. Ein kleiner Bach mit hölzernen Brücken floss durch den Garten und auf dem See schwammen Floße mit Sitzgelegenheiten, die mit einem kleinen Steg mit der Wiese verbunden waren. Immer wieder entdeckte man Neues.

Die Sonne ließ sich zwar meist blicken, aber es wehte ein sehr frischer Wind. Das war die Gelegenheit, um mal einen Waschtag einzulegen.

24. Tag Dienstag 9. Juli 2019 – 7 km, gesamt 3317 km –

Leider hat sich das Wetter noch mehr verschlechtert. Es regnete fast die ganze Nacht. Trotzdem wollten wir einen Ausflug in einen Nationalpark gleich um die Ecke unternehmen. Da kam plötzlich ein Landcruiser und stellte sich neben uns. Der Fahrer stellte sich als Pierre aus Südafrika vor und wir fanden uns gleich sehr sympatisch. Er erzählte kurz, dass er seit Monaten unterwegs sei und seit Amsterdam mit seinem Auto noch bis Dezember Europa bereist. Pierre fuhr über Schweden, Finnland und Russland ins Batikum. Später beschlossen wir gemeinsam heute Abend zu grillen.

Wir fuhren ins „Viru Hochmoor“, in dem ein ca. 4 km langer Bohlenweg durch das Moor führte, vorbei an einem Aussichtsturm und unzähligen Moorseen, durch wunderschöne einsame Natur. Auf dem Rückweg fanden wir ein paar Pfifferlinge, die allerdings nicht für eine Schwammerlsoße reichten, und ein paar Heidelbeeren.

Zurück am Zeltplatz starteten wir das „Braai“, die südafrikansiche BBQ Variante. Wir wählten dafür die windfreie Terrasse aus, in der ein gemauerter Grill untergebracht war. Jeder steuerte etwas zum Essen bei. Dazu machten wir noch Kartoffelsalat und Pierre spendierte eine Flasche besonderen südafrikanischen Rotwein. Ein sehr angenehmer und interessanter Abend. Da Pierre viel über seine Heimat Afrika zu erzählen hatte, vergingen die Stunden wie im Flug. Auch negative Dinge kamen zur Sprache, wie etwa, dass China versuche den afrikanischen Kontinenent zu vereinnahmen, um ihn danach vermutlich auszubeuten.

25. Tag Mittwoch 10. Juli 2019 – 115 km,, gesamt 3432 km –

Nach einer gemeinsamen Tasse Kaffee in unserem Wohnmobil mit Pierre verabschiedeten wir uns, wir fuhren Richtung Osten, er Richtung Westen. Für heute suchten wir uns wieder mal einen Platz am Meer aus. Einen wunderschönen noch dazu. Ein wirklich einsamer Sandstrand mit vereinzelten Findlingen, die hier so landestypisch sein sollen. Dank unseres Allrads konnten wir uns durch den sehr weichen Sand bis fast an den Strand durchpflügen. Das erste Mal probierten wir hier unser neues selbstgenähtes Sonnen-Regensegel aus. Naja, ist ganz gut gelungen. Später kochten wir am Lagerfeuer, auch zum ersten Mal auf dieser Tour, Gulasch in unserem Gusstopf. Um etwas Heimatgefühle aufkommen zu lassen, gabs Semmelnknödeln dazu. Allerdings estnisch angehaucht, statt Petersilie: DILL! (Schmeckt auch)

26. Tag Donnerstag 11. Juli 2019 – 69 km, gesamt 3501 –

Den heutigen Tag verbrachten wir hauptsächlich damit, den Grenzübertritt, der in der Nacht auf Freitag stattfinden soll, vorzubereiten. Das fing damit an, dass wir unsere Biervorräte in der Kabine versteckten. Ein kleines Kribbeln gehört ja schließlich dazu. Die Gefriertruhe präparierten wir, indem wir das TK-Fleisch (Einfuhr von Fleisch ist verboten!) ganz nach hinten räumten und das Gemüse nach vorne. Nachdem wir nirgends einen „Deutschland“ Aufkleber für’s WOMO bekommen konnten, malten wir kurzerhand einfach einen. Auf der Fahrt nach Narva, das ist die estnische Grenzstadt zu Russland, machten wir Halt am Wasserfall Valaste. Dieser ist mit seinen 30 m Höhe der höchste in Estland. Eine ziemlich neue aufwändige Holz und Eisen-Treppenkonstruktion mit 340 Stufen führte bis zum Ostsee-Strand hinunter.

In Narva angekommen, stellten wir uns auf den Parkplatz am Denkmal „Rootsi Lövi“ / „Schwedischer Löwe“. Von hier hatte man einen tollen blick auf beide Burgen. Auf der estnischen Seite steht die „Hermannsfeste“/ Hermanni linnus, mit dem 50 m hohen Turm „Langer Hermann“. Am anderen Ufer der Narva, dem Grenzfluss, thront die riesige Anlage der russischen Festung in Ivangorod. In der Mitte die einzige Brücke über die man hier nach Russland einreisen kann. Jetzt mussten wir nur noch Rubel besorgen, was fast scheiterte, da wir keine Bank finden konnten. Aber dann entdeckten wir doch noch die Coop Bank im örtlichen Supermarkt. So, jetzt müssen wir nur noch die letzten 3 Stunden rumbringen, bis wir uns um 2 Uhr nachts auf den Warteparkplatz begeben können.

27. Tag Freitag 12. Juli 2019 – km 156, gesamt 3657 km –

Wir sind in Russland!!

Um 1.54 Uhr sind wir vom Warteparkplatz losgefahren, als an der dortigen Anzeige unser Kennzeichen aufleuchtete. Genau 1 Stunde und 12 Minuten später sind wir in Russland eingereist.

Nach diversen Passkontrollen, KFZ-Schein Kontrollen und der 4. Schranke(!) wurde unser Auto durchsucht, auch mit Spiegel unterm Auto. Aber sage und schreibe hat diese Durchsuchung genau 2 Minuten gedauert. Wir sind uns ziemlich sicher, dass sie nicht nach rohen Eieren, Fleisch oder Alkohol gesucht haben, sondern nach Personen, die sich irgendwo im Fahrzeug versteckt haben könnten.

Die letzten Tage hatten wir uns ziemlich intensiv mit dem Grenzübergang beschäftigt, da wir so vieles gelesen hatten und oft nicht Gutes. Aber hat sich ja alles als völlig harmlos rausgestellt, zumindest in unserem Fall.

Es war schon wieder hell, bzw. wars irgendwann eigentlich richtig dunkel(?), als wir auf wieder endlos geraden Straßen nach rund 130 km an einem Campingplatz angekommen sind. Um 5.50 Uhr. Dieser Platz ist laut Internet ziemich neu, zwar etwas abgelegen, aber angeblich gut bewacht. Die Fahrt wahr zwar sehr entspannt, aber wir hatten beide zum Schluss ziemliche Probleme, unsere Augen offen zu halten. Es ging dann auch gleich sofort ins Bett.

Ein paar wenige Stunden später, so halbwegs ausgeschlafen, erkundeten wir erst mal die Gegend. Völlig witzig, aber direkt neben unserem Zeltplatz war ein Skilift. Ja, wir campierten in einem Skigebiet. Naja, es war ein einziger Hügel (maximal 40 m hoch) mit 3 Schleppliften, jeder Menge Schneekanonen und allem was dazu gehört (ausser Schnee, hihi).

Für den Sommerbetrieb errichtete der Betreiber einen Hochseilgarten. Es gab ein geöffnetes Restaurant, aber es war „tote Hose“- kein Mensch war da. Auch am Campingplatz, ausser uns genau noch ein Wohnwagen, na, woher? …. aus Deutschland. Wir wollten uns anmelden, da nachts die Rezeption natürlich nicht besetzt war. Die Putzfrau, die kein Wort englisch, bzw. deutsch sprach, telefonierte kurz, dann kam eine Frau, die kaum mehr verstand. Lediglich mittels Google Übersetzer verständigten wir uns.

Sie war weg, die deutschen Wohnwagenbesitzer auch und wir waren komplett alleine. Am Nachmittag beschäftigten wir uns mit der Planung für unseren morgigen St. Petersburg Besuch.