Woche 5: 13.07.19 – 19.07.19

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28.Tag Samstag 13. Juli 2019 – 50 km, gesamt 3707 km –

Immer noch nicht richtig ausgeschlafen und nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir in ca. 30 Minuten Richtung St. Petersburg. Wie bei der gestrigen Fahrt schon fällt uns immer wieder Gestank auf, vermutlich verbrennen die Russen irgendwelchen Müll. Der erste bewachte Parkplatz, laut Internet, stellte sich als Falschmeldung heraus. Obwohl laut den eingegebenen Koordinaten sogar ein Parkplatz da war, vertrieb uns der barsche Russe sofort. Also steuerten wir den zweiten Parkplatz, den wir bei Park4Night gefunden hatten an, der ebenso bewacht war.

Die Russen trauen wohl ihren eigenen Landsleuten nicht. Im Lauf der nächsten Tage entdeckten wir noch mehrere eingezäunte Parkmöglichkeiten, die von Wärtern für umgerechnet knapp 3 Euro (für den ganzen Tag) rund um die Uhr bewacht wurden. Bei den meisten Fahrzeugen handelte es sich um neue, teure Autos, oder um Oldtimer. Aber auch stillgelegte, kaputte waren dabei.
Weiter gings mit dem öffentlichen Bus. Wir wussten, dass dieser ganz in der Nähe abfuhr, aber in welcher Richtung? Da Russland nicht zur EU gehört hatten wir keine Internetverbindung und somit auch kein Google Maps. Aber natürlich fanden wir den 187 er. Unser Glück war, dass dort ein junger Mann, ein russischer Student, ebenfalls auf diesen Bus wartete, und uns behilflich war. Er sprach ziemlich gut deutsch und englisch und so kams, dass wir uns die ganze Strecke unterhielten. Er kannte viele deutsche Städte und hätte am liebsten in Deutschland studiert, konnte sich dies aber nicht leisten. So verging die halbe Stunde Fahrt wie im Flug. Jetzt mussten wir nur noch 7 Stationen mit der Metro fahren und schon waren wir, nach insgesamt rund 1 1/2 Stunden, im Zentrum. Äusserst angenehm empfanden wir das öffentliche U-Bahn Netz, egal wie weit man fährt, egal wie oft man umsteigt, man kauft eine Münze für 45 Rubel, das sind ca. 65 ct. Die Busfahrkarte kauft man direkt im Bus und kostet noch etwas weniger.
Unser allererster Weg war in die Touristen-Information, um einen vernünftigen Stadtplan zu bekommen. Dort buchten wir gleich die City-Card. Mit dieser hatten wir in viele Museen freien Eintritt. Inclusive waren auch diverse Stadtrundfahrten mit dem Hop-on-Hop-off Bus, sowie verschiedene Boot-Trips. Gleich gegenüber entdeckten wir ein „Georgisches“ Cafe, bzw. Restaurant, in dem wir erst mal Pläne schmiedeten, wie es weiter gehen sollte. Um einen Überbick über die 5 Millionen Metropole zu bekommen, ließen wir uns im Sightseeing Bus an den zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbeigondeln. An dem Winterpalast, St. Isaak Kathedrale, Admiraltiy, Auferstehungskirche, Kasaner Kathedrale, …

Der Winterpalast
Die Auferstehungskirche

Am Palastplatz vor der Erimitage, stiegen wir aus, dort fand eine Live-Musikveranstaltung statt, der wir eine Weile zuhörten. Auffallend viel Polizei mit schweren Fahrzeugen war anwesend.

Von diesen Fahrzeugen waren gleich mehrere da

Grundsätzlich hatten wir aber nicht das Gefühl, dass es hier in St. Petersburg unsicher ist. Irgendwann traten wir völlig geflasht von so viel Prunkbauten und Eindrücken die Rückfahrt zum Auto an.
Erwähnenswert sind noch die U-Bahnstationen. Auf Grund der Boden- und Grundwasserverhältnisse liegen diese sehr tief, bis zu 100 m unter der Erde.

29.Tag Sonntag 14. Juli 2019 – 50 km, gesamt 3757 km –

Auch heute wollten wir natürlich wieder in die Stadt. es gibt ja noch soooo viel zu sehen. Unser Navi schlug uns eine andere Route vom Campingplatz bis zum Parkplatz in Puschkin vor als gestern. Wir staunten nicht schlecht, als wir plötzlich auf einen Feldweg abbogen, der immer schlechter wurde. Nicht, dass wir das nicht schon gewöhnt wären, aber schließlich entwickelte sich der Feldweg zu einer Schlammpiste.

Wir fanden es toll. Weniger toll waren die vielen Müllhalden am Wegesrand.

Am Parkplatz im Stadtteil Puschkin angekommen, klappte die Bus- und U-Bahnfahrt heute schon besser. Wir stiegen auf der „Petrograder“ Seite St. Petersburgs aus und marschierten zum Panzerdeckkreuzer „Aurora“, einem russischen Nationaldenkmal.

Die Aurora

Das Schiff war in mehreren Kriegen im Einsatz und wurde berühmt durch den historischen Platzpatronenschuss. Zwar hätten wir mit unserer City-Card freien Eintritt ins Innere der Aurora gehabt, aber die ewig lange Warteschlange davor hielt uns davon ab. Auf die „Haseninsel“ mit der Festung und Kathedrale Peter und Paul führte unser Weiterweg.

Peter-Paul Kirche

Der eigentlichen Wiege von St. Petersburg! Zar Peter I., der auch Peter der Große genannt wurde, wollte eine neue Hafenstadt erbauen, um Russland einen sicheren Zugang zur Ostsee zu verschaffen, einem „Fenster zum Westen“. 1703 wurde mit dem Bau begonnen.
Am Sandstrand der Haseninsel schauten wir einer Segelregatta zu und genossen den fantastischen Bick auf die unglaublich breite Newa.

Einheimische nutzten diesen Strand auch mit ihren Kindern zum Plantschen im Wasser. Schließlich besichtigten wir noch die Peter-Paul Kirche, der Grabkapelle der Zarendynastie der Romanovs.

Die Peter-Paul-Kirche von innen

Anschließend gingen wir zur Abfahrtstelle des Hop-on-Hop-off Busses, um heute die grüne Route zu nehmen. Diese führte auf die Insel „Wassiljewski“, vorbei an markanten Gebäudefassaden, diversen Akademien, Palästen und vorbei an der ehemaligen Börse, dem heutigen Marinemuseum. Diese Tour endete an der Isaaks Kathedrale, mit rund 10.000 Plätzen die größte Kirche der Stadt.

Da unsere City-Card nur noch bis zum morgigen Nachmittag gültig ist, beschlossen wir, gleich noch eine der Bootsrundfahrten zu unternehmen. Das Tragflächenboot brachte uns in 40 Minuten zum Zarenpalast Peterhof.

In einem prächtigen Park am Südufer des Finnischen Meerbusens gelegen, war die Sommerresidenz der Zaren. Die imposante Palastanlage wird gerne „russisches Versailles“ genannt.

Der Peterhof

Also, uns beiden war sie viel zu „golden“. Man kann ja alles übertreiben. Die goldenen Skulpturen, Figuren und Brunnen leuchteten schon von weitem. Den Hochzeitspaaren in ihren verschiedenen Hochzeitsgewändern gefiel es jedenfalls, überall schossen ihre Fotografen Bilder fürs Hochzeitsalbum.

(Passt zwar grad nicht so besonders hier her, aber mir fiel auf, dass, wie ich finde, viele Frauen aufgespritzte Lippen haben.)
Zwei Stunden später brachte uns das superschnelle Boot wieder zurück. Mittlerweile war es in der Stadt musikalisch geworden. Überall spielten Bands meist Pop und Rockmusik. Wir kehrten, bevor wir in den Bus, der uns zu unserem Auto brachte, noch in eine Bar ein. Dem „Smokey Bones“. Dort gibt es verschiedenste Biersorten, die sie zum Teil selbst brauen. Die sehr sympatische Dascha, die Chefin?, sprach akzentfreies Deutsch und wir unterhielten uns lange mit ihr.

30.Tag Montag 15. Juli 2019 – 50 km, gesamt 3807 km –

Unser heutiges Ziel galt in erster Linie der Bootstour durch die Kanäle von St. Petersburg. Die zwei letzten Tage mit den unglaublich vielen Eindrücken und kilometerlangen Märschen ging nicht spurlos an uns vorüber, so dass wir es etwas ruhiger angingen. Zwei Stunden ließen wir uns durch die Kanäle schippern und genossen die andere Sicht auf die Prunkbauten.

Wir entdeckten, dass nicht alles fein rausgeputzt war. Einige Fassaden, ja ganze Häuser bröckelten so vor sich hin.

Unter etlichen sehr unterschiedlichen Brücken fuhren wir durch, bis wir schließlich wieder die gewaltige Newa erreichten. Neben den unzähligen Touristenbooten, einfach bis luxurios mit Live-Musik an Bord, privaten Motorbooten, kleineren hölzernen Fischerbooten fuhren auch riesige Kreuzfahrtschiffe und Autofähren auf dem Fluss.


Absichtlich gingen wir nicht auf den Haupt-Touri-Routen zurück Richtung U-Bahn, z. b. dem „Newskij Prospekt“. Einer fast 5 km langen Kultur- und Nobelmeile, der angeblich schicksten Einkaufsstraße.

So kamen wir in die „normale“ Altstadt. Hier leben ganz normale Leute, es gibt ganz normale Geschäfte und normale Kneipen. Wir entdeckten eine „Kantina“, so eine Art Selbstbedienungskantine, mit typisch russischen Gerichten zu sehr günstigen Preisen. Dort mussten wir natürlich was probieren. In dieser „normalen“ Altstadt gabs natürlich auch und einen Markt. Juhu, endlich!


Heute beschlossen wir in unserer Kneipe von gestern, dem „Smokey Bones“ etwas zu essen. An der offenen Küche kann man den Köchen bei der Zubereitung zuschauen. Wie wir uns schon dachten, schmeckte unser Essen hervorragend. Andi hatte einen „Original-Burger“ und ich Fisch mit Gemüse. Alles frisch zubereitet.

31.Tag Dienstag 16. Juli 2019 – 30 km, gesamt 3837 km –

Ein letztes Mal fuhren wir heute nach St. Petersburg, bzw. nach Puschkin, einem Kleinstädtchen, auf „unseren“ Parkplatz. Gleich neben dem Katharinenpalast, rund 2 km südlich vor den Toren St. Petersburgs. Die prächtige Sommerresidenz, erbaut von Zarin Elisabeth I. und vollendet von Zarin Katharina II., der Großen, ist eine DER Touristenattraktionen des Landes. Auch hier wieder Prunk und jede Menge Gold.

Der Katharinenpalast

An der Rückseite des Palastes versperrten mächtige goldene Tore den Zutritt zum Palast. Ein Wärter pfiff durch seine schrill klingende Pfeife, wenn jemand dem Tor, oder auch den japanisch anmutenden Figuren auf der Brücke davor zu nahe kam. Unglaublich wichtig kam er sich vor, wenn er mit seiner Trillerpfeife Touristen erschrecken konnte, die es wagten, irgendwas anzufassen. Selbstverständlich diente auch diese Kulisse, ob vor dem Palast oder an dem großen See, Hochzeitspaaren als Fotomotiv.

Auch er oder sie posierte vor der Kamera

Die größte Attraktion aber ist das Bernsteinzimmer, bzw. die Nachbildung. Da die Warteschlange kein Ende nahm, beschlossen wir, uns dieses nicht anzuschauen. (Schande!) Auf dem Weg zum Wohnmobil kamen wir an Markthallen vorbei und da muss ich natürlich rein.

Der Andi, den sowas eher nervt, verzog sich derweil in ein Cafe. Mit meinem erstandenen Obst- und Gemüseeinkauf setzte ich mich zu ihm und gönnte mir einen typisch russischen Gemüsesalat mit roter Beete und Weisskraut. Etwas ungewöhnlich schmeckte dieser schon. Schließlich schauten wir noch in die am Weg liegende orthodoxe Kirche, in der gerade Messe war.

Am Parkplatz angekommen, er diente heute auch als Übernachtungsplatz, kochte ich aus den eben gekauften herrlich duftenden Walderdbeeren Marmelade.

32. Tag Mittwoch 17. Juli 2019 – 225 km, gesamt 4062 km –

So, heute verlassen wir St. Petersburg endgültig! Froh sind wir, da uns der ganze Trubel und die vielen Menschen zu viel geworden sind. An tristen riesigen Wohnbauten, halb verfallenen Industriebauten, kleinen Holzhäuschen und an mannshohen, weiss blühenden Gewächsen fuhren wir vorbei. Bei diesen Gewächsen handelt es sich um den „Borschtschewik“. Die Pflanze, die uns unmittelbar nach dem Grenzübertritt bereits auffiel, wird in den russischen Medien schon als „Agressor“ oder „Terrorist“ genannt. Sie überwuchert alles und mittlerweile gibt es bereits Geldstrafen, wenn Bauern, Firmen oder auch Privatpersonen nicht gegen diese „Naturkatastrophe“ angehen. Unsere Fahrt führte über die Insel Kronstadt, weiter Richtung Nordwesten. Einmal wurden wir sogar von einem Militärposten angehalten. Wir mussten unsere Dokumente vorzeigen und er winkte uns dann gleich wieder weiter. Wir denken, er wollte nur wissen, woher wir kommen.

Campingplätze oder Wohnmobil-Stellplätze gibt es nirgends, ausser in Wyberg, der nächstgrößeren Stadt. So suchten wir mit Hilfe verschiedener Apps und fanden eine Stelle mitten im Wald.

Auch hier Müllberge. Auf einem befahrbaren Felsen, einem Plateau, wollten wir die Nacht verbringen. Zuvor holten wir mal wieder unseren Grill raus und ich befeuerte meinen Mini-Holzkocher, der zusammengeklappt in die Hosentasche passt. Darauf kochte ich die Rote Beete vom Markt.

Eigentlich hatten wir noch vor, ein Lagerfeuer zu machen, weswegen Andi Feuerholz sägte, aber die blutrünstigen, unglaublich nervigen Mücken verdarben uns die Lust darauf.

Was uns noch auffiel, es gibt hier offensichtlich ausser ein paar Krähen und einem sehr eigenartigen Vogelruf keine Vögel. Selbst in den frühen Morgenstunden ist es totenstill. Ich finde das sehr eigenartig.

33. Tag Donnerstag 18. Juli 2019 – 0 km, gesamt 4062 km –

Die Nacht war sehr ruhig und erholsam. Lediglich Andi kämpfte mit ein paar Mücken, die es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch ins Innere geschafft hatten. Aber als er die letzte erschlagen hatte, konnte auch er schlafen.
Heute klingelte kein Wecker und heute war unser, sage und schreibe, ALLERERSTER Tag, an dem wir ABSOLUT NICHTS vor hatten. Wir hatten nämlich beschlossen, noch eine Nacht zu bleiben. Jetzt endlich konnte ich mein Reisetagebuch weiter schreiben und mich um die Fotos kümmern.

34. Tag Freitag 19. Juli 2019 – 270 km, gesamt 4332 km –

Regen und Kälte, ca. 15 Grad! Die Wetterapp zeigte für Helsinki Sonne und 22 Grad für heute an. Wir fahren! Ca. 50 km bis zur russisch-finnischen Grenze. Ziemlich genau 1 Stunde dauerte die Ausreise aus Russland. Der Grenzposten war ein richtiger I….! Er schaute hinter jede Türe in der Kabine und ließ den Andi diverse Schränke komplett ausräumen. Bei den finnischen Grenzposten dauerte es auch noch mal ne halbe Stunde, dann waren wir wieder in der EU.

Finnland

Auf sehr gut ausgebauten Schnellstraßen ging es flott voran und ca. 2 Stunden später waren wir in Helsinki. Ein Musikfestival findet dieses Wochenende statt, sehr viel junge Leute waren unterwegs. Für heute Nacht stellten wir uns auf einen Parkplatz, auf dem schon einige andere Womos standen, fast neben uns ein Münchner. Wir unternahmen noch einen längeren Spaziergang über eine Fußgängerbrücke Richtung Festival.

unser Übernachtungsparkplatz ist auf der anderen Seite

Ein ganzes Stadtviertel wird hier neu gebaut. Die moderne Architektur der fertig gestellten Wohnblocks, ist jedenfalls sehr interessant. Wieder auf der Insel schauten wir noch den Sandstrand an. Zig Inseln gehören hier zu Helsinki und unser Stellplatz ist auf einer davon. Also, hier in Helsinki kann ich mir sehr gut vorstellen, sehr angenehm leben zu können.