Woche 7: 27.07.19 – 02.08.19

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42. Tag Samstag 27. Juli 2019 – 145 km, gesamt 5194 km –

Diesen schattigen Platz nutzten wir aus, um mal wieder unsere Webseite auf Vordermann zu kriegen. Ab und zu kam eine finnische Familie angefahren, um sich eine Abkühlung zu gönnen und die Kinder am Strand austoben zu lassen. Ansosnten war es hier angenehm ruhig. Wir überlegten noch eine Nacht zu bleiben und, nachdem es eh schon nachmittags war und wir Hunger hatten, gleich das Grillen anzufangen. Aber dann fuhren wir doch noch weiter.

Briefkästen am Straßenrand

Auf „Park4Night“ hörte sich die Beschreibung eines Stellplatzes sehr verlockend an, und da wollten wir heute noch hin.

Wald am Wegesrand

Auf einer Landzunge, vielleicht 20 m breit, stellten wir uns neben ein anderes Wohnmobil mit schwedischem Kennzeichen. Ein total cooles, kultiges, altes Ding. Ein Mercedes Kastenwagen, BJ. 1986, wie uns die holländischen Besitzer aus Amsterdam später erzählten. In gelb, pink und schwarz lackiert. Sie hatten ein kleines 1 Jahr altes Mädchen dabei und waren seit 5 Wochen unterwegs, um um die Ostsee zu reisen!

Jetzt geht´s aber ans grillen!

43. Tag Sonntag 28. Juli 2019 – 0 km, gesamt 5194 km –

Strahlend blauer Himmel, aber ziemlich windig wars heute. Sehr früh schien schon die Sonne in unser Wohnmobil, was uns aber nicht hinderte, laaaange zu schlafen. Mittlerweile können wir von unserem Womo-Fenster sowohl den Sonnenuntergang, als auch den Aufgang sehen, ohne großartig den Hals zu verdrehen. Sonnenuntergang um ca. 23 Uhr, Aufgang um ca. 4 Uhr.

Sonnenuntergang
Sonnenaufgang

Beim „Gegend erkunden“ fand ich einige wilde rote Johannisbeersträucher und, schwups, kurz drauf war die Marmelade fertig.

Später gab’s dann noch eine mega Aufregung. Die Wassertiefe ist hier scheinbar sehr flach und ausserdem mit Felsen durchsetzt. Die Fahrrine für Boote ist zwar markiert, aber einer wollte wohl daneben vorbei. Ich sah nur noch, wie das kleine Motorboot einen Satz machte und aprupt stehen blieb. Der Motor heulte laut auf und im Boot war niemand zu sehen. Als wir das Fernglas holen wollten, entdeckten wir einen Mann im Wasser, der zurück zu seinem Boot schwamm. Vergeblich versuchte er, das Boot vom Felsen runter zu bekommen. Kurz drauf kam ein Krankenwagen zu uns auf die Landzunge und schließlich auch die Feuerwehr. In der Zwischenzeit fuhr der Verunglückte mit einem anderen Boot, das ihm offensichtlich zu Hilfe kam, davon.

Die Polizei, die auch noch erschien, befragte uns, was wir gesehen hätten. Da der Mann so schnell verschwand, waren sie der Meinung, dass evtl. Alkohol im Spiel sei und sie ihn deshalb ausfindig machen müssten. Als wir ihnen sogar ein Foto des Mannes zeigen konnten, stark gezoomt aufgenommen, glaubten sie, ihn erkannt zu haben. Einige Stunden später kam der Bootsführer mit einem größeren Boot zurück und zog das havarierte Boot mit einem Seil und einem Ruck von dem Felsen. Alles unter Aufsicht eines Polizeibootes. Hach, wie aufregend.

Den Rest des Tages suchte ich mir ein windgeschütztes Plätzchen und genoss die herrliche Sonne bei ca. 20 Grad.

44. Tag Montag, 29. Juli 2019 – 176 km, gesamt 5370 km –

Sehr starker Wind heute! Ausserdem hatten wir bei 15 Grad Aussentemperatur nicht wirklich Lust draussen zu frühstücken. Also, das Bett schnell zusammen bauen und das Frühstück drinnen genießen, mit Blick auf das wunderbar tiefblaue Meer.

Dann ging unsere Fahrt weiter gen Norden, und in Oulu machten wir Stop für eine Besichtigung, die sich jedoch absolut nicht lohnte. Unsere Anlaufstelle sollte bei Kemi, einer kleinen Stadt an der Küste sein. Unser eigentliches Ziel war durch eine Schranke versperrt, aber ganz in der Nähe wurden wir fündig. „Für oa Nacht duads es scho“.

Waldengelwurz

In Sichtweite war eine riesige Fabrik, die Holzstämme, die zu tausenden aufgestapelt waren, zu feinen Hackschnitzeln verarbeitete. Das Endprodukt konnte man nur erahnen, wir vermuteten, dass daraus Spanplatten (für Ikea?) produziert werden.

Sägespäne

45. Tag Dienstag 30. Juli 2019 – 316 km, gesamt 5686 km –

Es geht weiter, wir wollen heute zum Weihnachtsmann! Ja, ja, der wohnt nämlich hier, genau 8 km nördlich von Rovaniemi, direkt auf dem nördlichen Polarkreis. An Rovaniemi, das ist die Hauptstadt des nordfinnischen Lapplands, fuhren wir vorbei. Beim Weihnachtsmann machten wir allerdings schon halt. Was für ein Rummel. Das legendäre Foto an der Linie des Polarkreises ließen wir uns aber natürlich nicht nehmen.

Obwohl, genau genommen stimmt die Polarkreislinie gar nicht, da sie sich ständig verschiebt. Bedingt durch das Trudeln der Erdachse, die erst nach ca. 25.000 Jahren wieder an dieselbe Stelle kommt.

Nachdem ich unbedingt, wenn wir schon mal da sind, durch Lappland reisen wollte, ging unsere Fahrt weiter Richtung Norden, wo wir schließlich die Ostseeküste verließen. Unser zuvor ausgesuchter Übernachtungsplatz sollte eine „Offroad“ Stelle sein, d. h. normalerweise nur mit Allrad zugänglich. Was sich aber nicht wirklich so herausstellte. Eine Art stillgelegte Kiesgrube, die sicher mit jedem Auto befahrbar wäre.

Dieser Platz gefiel uns doch nicht so gut

Da dieser Platz sehr nah an der Hauptstraße, der E 75 lag, und somit ziemlich laut, fuhren wir weiter bis zum „Porttipahdan tekojärvi“. Ein Stausee, den uns die Dortmunder empfohlen hatten. Sie waren total begeistert, konnten mit ihrem PKW nur leider nicht bis ganz an den Strand fahren, … aber wir! Wow, hier war’s wirklich wunderschön. Nur leider immer noch sehr, sehr windig und kalt.

Ein Sandregenpfeifer

46. Tag Wittwoch 31. Juli 2019 – 0 km, gesamt 5686 km –

Der erste Blick auf’s Thermometer ließ uns erschaudern. 6 Grad Aussen- und 14 Grad Innentemperatur! Da bleiben wir doch lieber drinnen. Doch gegen Mittag kam die Sonne raus, die Wolken und der heftige Wind verschwanden, so dass ich mich auf die Suche nach Schwammerl und Heidelbeeren machte. Beides fand ich nicht. Für die Schwammerl ist es vermutlich viel zu trocken, scheinbar regnete es hier schon länger nicht mehr richtig. Und die allermeisten Heidelbeeren waren noch nicht reif. Dafür fand ich eine lichte Stelle im Wald mit Feuerstelle und einem provisorischen Holztisch sowie einem ebenen Platz für’s Auto. Der Strand war auch nur 10 m entfernt. Da das Wetter zwischenzeitlich immer schöner und es immer wärmer wurde, beschlossen wir, noch eine Nacht zu bleiben. Also zogen wir um. Endlich konnten wir unseren Dutch Oven wieder mal verwenden. Gesagt, getan. Während das Gulaschfleisch auftaute, machte ich auf meinem Miniholzofen Heidelbeer-Pfannkuchen. Hmmmm, lecker.

Anschließend kochten wir im Gusstopf auf der Glut unser Curry-Gulasch, das hervorragend schmeckte.

Dazu gab´s „Bannocks“, das Brot der Wildnis, zumindest schreibt das das „Lagerfeuer-Kochbuch“. Naja, da muss ich noch üben, war nicht so der Hit.

47. Tag Donnerstag 1. August 2019 – 70 kam, gessamt 5756 km –

Relativ spät aufgestanden, lange gefrühstückt, rumgewurschtelt, überlegt wohin?… Was soll man schon machen, wenn´s so kalt ist (10°C) und dann auch noch regnet. Also, Sachen packen und weiter fahren. Ich will doch unbedingt mindestens eine schöne Wanderung in Lappland machen. Zwei große Nationalparks stehen uns hier in Nordfinnland zur Auswahl. Der „Urhu Kekkonen“ und der „Lemmenjoki“ Nationalpark. In der Ortschaft Saariselkä wollten wir uns Unterlagen, z.B. Informationen über Wandertouren, besorgen. Schon auf der Fahrt dorthin änderte sich die Landschaft. Sie wurde karger, die Bäume niedriger und plötzlich sahen wir ein paar Rentiere, darunter war auch einer mit einem riesigen Geweih.

Angekommen in Saariselkä waren wir überrascht, wie klein der Ort war und wie wenig los hier war. Alles war auf Wintersport ausgelegt. Sogar einen Parkplatz für Motorschlitten sah ich. Die Vegetation der umliegenden Hügel war sehr karg, allenfalls Zwergbäume und vereinzelt Büsche wuchsen. Gerade noch rechtzeitig vor Feierabend schafften wir es noch in die Touri-Info und ergatterten eine kleine Wanderkarte.

Im Supermarkt besorgtern wir ein paar Sachen und amüsierten uns über das Warenangebot in diesem Geschäft. Hier gab’s alles! Von Lebensmitteln über Haushaltswaren, Souvenirs, jede Menge Kitsch, Kleidung…. Anschließend fuhren wir auf den Parkplatz der Bergstation des Skigebietes auf immerhin ca. 450 m Höhe. Völlig kahl war’s hier oben. Kein Baum, kein Busch. Das Wetter wurde immer schlechter. Nebel kam auf, es begann zu regnen und ein fieser, heftiger Wind wehte. Das Thermometer fiel auf 6 Grad. Na toll, bei so einem Wetter hab sogar ich keine Lust zu wandern. Übrigens, als ich diese Zeilen schrieb war es nach Mitternacht vorbei und draussen war es so hell, dass ich kein Licht im Wohnmobil brauchte.

48. Tag Freitag 2. August 2019 – 66 km, gesamt 5.822 km –

Am Morgen hatte es nur noch 5 Grad und es war genauso schreckliches Wetter wie gestern abend. Auf nach Inari, an den Inarisee. Wir hatten so gar keine Vorstellung, nur, dass es keine Großstadt ist. Auf der Fahrt habe ich gelesen, dass es rund 7000 Einwohner hat, ….. auf einer Fläche von 17.000 qkm. Der Großteil des Gemeindegebietes besteht aus menschenleerer Wildnis.

Es gab allerdings ein Sami-Museum und Naturzentrum, das möchten wir auf jeden Fall anschauen. Hier in dieser Gegend gibt es nicht sehr viele Campingplätze und unweit von Inari war einer der wenigen. Den steuertern wir an. Die Besitzer waren etwas seltsam, aber nicht direkt unfreundlich. Wir bekamen einen Platz zugewiesen, bestimmt den schönsten, direkt am See mit unserer eigenen Mini-Landzunge.

„Unsere“ Landzunge

Dort hätten wir super frühstücken oder grillen können. Aber wir spazierten bei Nieselregen in ca. 1/2 Stunde in den Ort. Eine Fußgängerzone hatte ich ja nicht erwartet, auch keine Touristenmassen, aber dass so gar nichts los war, überraschte mich doch. Zwei Tankstellen, zwei Supermärkte, ein riesiger Souvenirladen und eine Kneipe, in der wir uns aufwärmten. Auch den Souvenirladen durchkämmten wir genauestens. Den kleinen Hafen besuchten wir noch, bevor wir nach Hause liefen.

Mitten in einem Garten eines Privathauses

Dann staunten wir nicht schlecht. Vor ein paar Stunden waren wir die einzigen Camper, jetzt trudelten ein Wohnmobil nach dem anderen hier ein. U. a. auch eins aus Osterwarngau, Kreis Miesbach.