Woche 9: 10.08.19-16.08.19

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56. Tag 10. August 2019 – 9 km, gesamt 6826 km –

Nur ein paar Kilometer entfernt liegt der Südeingang zu einem Nationalpark, dem „Skuleskogens NP“. Der ist bekannt u. a. wegen einer Schlucht, die wir sehen wollten. Mit einem ausnahmsweise mal in deutscher Sprache vorhandenem Infoblatt mit Wanderwegen und unseren schweren Wanderstiefeln bewaffnet, zogen wir los. In der Beschreibung war nämlich von „teilweise schwierigem Terrain“ die Rede. Gleich zu Anfang machten wir uns lustig, weil die ersten Kilometer des Weges mit Holzplanken ausgelegt waren. Aber natürlich blieb es nicht so. Über Geröllschutt führte der Weg bergauf durch Wald und an einem Hochmoor vorbei.

Die Landschaft hier in dieser Gegend Schwedens heisst „Höga Kusten“ / Hohe Küste. Sie wurde geprägt von der letzten Eiszeit. Geröllhalden mit einst vom Meer gerundeten Steinen zeugen u. a. davon, dass die Küstenlinie einmal 285 m höher lag als heute. Vor ca. 8000 Jahren drückten die Eismassen, mit einer Dicke von rund 3 km, das Land in die Tiefe und als das Eis wieder schmolz, ist das Land wieder gestiegen und steigt auch heute noch! Angeblich soll in ca. 2500 Jahren eine Landbrücke zwischen Schweden und Finnland existieren. Das habe ich gelesen, ob´s stimmt weiß ich natürlich nicht.

Kurz vor der Schlucht stiegen wir auf den „Slattdalsberget“, da musste man schon die Hände zu Hilfe nehmen. Baumlos und ziemlich windig war’s hier oben auf ca. 270 m Höhe. Welch fantastische Aussicht! Danach ging’s durch die Schlucht „Slattdalsskrevan“, die sich 200 m lang durch 7 m breite und 40 m hohe Felswände durch das Gelände zieht. Kurz darauf kamen wir an den „Tärnättvattnen“ See. Hier gefiel es uns ganz besonders. Massiv gebaute Feuerstellen mit hochwertigen Grillrosten stehen jedem zur Verfügung, ebenso eine kostenlose Übernachtungshütte. Hier führt nämlich ein Fernwanderweg vorbei.

Wir entschieden uns, nicht die selbe Strecke zurück zu gehen, sondern einen Rundkurs, u. a. an der Küste entlang. Der Weg zog sich allerdings. Wanderer begegneten uns, im Gegensatz zu vorher, auch fast keine mehr. Anfangs wanderten wir in der baumlosen Höhe später im Wald und schließlich an ein paar sehr schönen kleinen Sandstränden vorbei. Auch hier wieder mit errichteten Feuerstellen. Unser Blick war während der ganzen Strecke auf den Boden gerichtet, klar, wegen der Steine und Wurzeln, aber auch wegen der Schwammerl. Wir fanden so viele am Wegesrand, dass wir schon gar nicht mehr wussten, wo wir sie unterbringen sollten. Steinpilze und Rotkappen. Im Wohnmobil überlegten wir, wie wir diese Menge am besten verarbeiten. Dank Andi’s Tüftelei hatten wir dann doch Internetempfang und googelten, dass man die geschnittenen Schwammerl vor dem Einfrieren erst blanchieren sollte. Das machten wir dann auch. Unser Gefrierschrank im Womo ist zwar ziemlich groß, aber von schockgefrieren kann nicht die Rede sein. Es ist ziemlich spät geworden, drum blieben wir auf dem Parkplatz für diese Nacht stehen. Zu den leckeren Dosenravioli gab´s noch ein Gläschen Rotwein, mit dem stießen wir noch auf unseren heutigen 28. Hochzeitstag an.

57. Tag Sonntag 11. August 2019 – 234 km, gesamt 7060 km –

Nachts hatte es geregnet und es ist kein blauer Himmel und keine Sonne mehr zu sehen. Das sollte auch den ganzen Tag so bleiben. Auch bei der Fahrt gab es immer wieder mal Regenschauer. Ganz spontan beschlossen wir, einen schwedischen IKEA zu besuchen. Das aktuelle Programm kenne ich nicht, aber ich nehme an, dass es in Schweden die selben Artikel zu kaufen gibt wie in Deutschland. Im Restaurant nutzten wir die Gelegenheit zu essen, da wir das zu Hause bei Ikea nie machen. Ja, war nicht schlecht und einigermaßen günstig.

Obwohl heute Sonntag ist, haben sehr viele, vielleicht sogar alle(?) Geschäfte geöffnet. Die großen Supermärkte haben meist von Montag bis Sonntag von 8 bis 22 oder 23 Uhr offen. Daran könnte man sich gewöhnen, doch notwendig finde ich das zumindest nicht.

Wir entschieden uns für einen sogenannten „Baum“ Stellplatz. In der App „Park4Night“ steht diese Kategorie für Übernachtungsstandorte irgendwo in der freien Natur. Daneben gibt es auch noch „P“ – Plätze, das sind, klar, offizielle Parkplätze, „Wohnmobil“ – Plätze, oft mit Ver-und Entsorgung und „Offroad“ – Plätze. Für die Zufahrt an solche Stellen ist Allrad erforderlich, aber das liegt im Ermessen des Schreibers, der diesen Platz gefunden und in die App eingestellt hat.

Unser „Baum“ – Platz liegt ziemlich abgelegen an einem See, wo auch sonst! Kein Mensch weit und breit. Nur eine Ente und jede Menge Himbeeren und Johannisbeeren. Und wieder habe ich Marmelade gekocht.

58. Tag Montag 12. August 2019 – 81 km, gesamt 7141 km –

Wieder mal haben wir heute ein besonders schönes Plätzchen gefunden. Direkt am Meer, am Rande eines Waldes und wieder mal ganz für uns alleine. Mit vorhandener Feuerstelle, die wir natürlich zum Grillen nutzten. Auch hier wieder unzählige Heidelbeersträucher und fast ebenso viele Preiselbeerpflanzen. Leider konnte ich gar kein einziges leeres Gas mehr finden, sonst hätte ich bestimmt Preiselbeermarmelade gemacht.

59. Tag Dienstag 13. August 2019 – 0 km, gesamt 7141 km –

Heute wollen wir mal Schwammerl suchen. Es ist warm, es ist feucht, da müssen wir doch welche finden. Sehr euphorisch sind wir losgezogen, aber das Suchen stelllte sich als schwierig heraus. Dieser Wald hier, und das ist keine Ausnahme, ist wie ein Urwald. Da durchzukommen war nicht einfach. Nachdem wir ein paar Schwammerl mühsam gefunden hatten und trotz Mückenspray völlig zerstochen waren, gaben wir auf. Wieder zurück, hatte sich eine sehr nette Familie aus der Schweiz mit ihrem gemieteten Wohnmobil zu uns gestellt. Zum Abendessen gab’s natürlich: Schwammerl.

60. Tag Mittwoch 14. August 2019 – 230 km, gesamt 7371 km –

Auf geht’s nach Stockholm. Wir hatten diese Stadt zwar schon mal vor 5 Jahren besichtigt, aber Stockholm hat uns damals so gut gefallen, dass wir nochmals dorthin wollten. Bei dem 1. Campingplatz hatten wir leider Pech, der war ausgebucht. Kein Wunder, liegt dieser doch fast mitten in der Stadt. Alternativen gab’s genug, wir mussten aber unbedingt Wäsche waschen, deshalb kam kein Parkplatz in Frage. Ein Campingplatz etwas weiter draussen hatte laut telefonischer Anfrage noch einen einzigen Platz frei. Den reservierten wir auch gleich. Sehr schön gelegen. Dem in die Jahre gekommenen Herrschaftshaus nach zu urteilen, war dies vermutlich mal ein großer Park.

Aber! Drei Stunden Waschmaschinennutzung hätte umgerechnet 10,– Euro gekostet. Da verzichteten wir auf’s waschen, blieben aber trotzdem.

61. Tag Donnerstag 15. August 2019 – 0 km, gesamt 7371 km –

Ca. eine viertel Stunde liefen wir durch Wohngegend mit sehr hübschen Häusern bis zur nächsten U-Bahn. Eine weitere halbe Stunde später waren wir in der Innenstadt. Die Altststadt, „Gamla Stan“ kannten wir schon, deshalb entschieden wir uns für Södermalm, ein Stadtteil und Insel, in dem das authentische Leben stattfinden soll. Es gilt ausserdem als Szene-Viertel. In dem ehemaligen Arbeiterviertel leben mittlerweile viele Künstler und Studenten. Selbstverständlich kamen wir auch am Königspalast vorbei und durch Gamlastan mit den vielen Touristen. Einige Zeit verbrachten wir auf einem Stadtfest wo sehr viel sportliches und musikalisches für junge Leute geboten war. Dann marschierten wir noch zum „Gröna Lund“, dem Dauer-Vergnügungspark auf der Halbinsel „Djurgarden“. Mit dem Boot fuhren wir zurück ins Zentrum und kurz vor dem Campingplatz gingen wir ins „Astrids Mälarhöjden“, wo wir sehr gut zu Abend gegessen haben.

62. Tag Freitag 16. August 2019 – 209 km, gesamt 7580 km –

So recht konnten wir uns nicht entscheiden, ob wir weiter auf der E 4 bleiben sollten, die weg von der Ostsee führte, oder ob wir an der Küste entlang fahren sollten. Wir wählten die E 4 und landeten bei Borensberg am Götakanal.

So, jetzt müssen wir aber wirklich dringend Wäsche waschen. Einen sehr schönen kleinen Campingplatz suchten wir aus. Zwar ziemlich spießig, aber wirklich schön grün, mit sehr sauberen Sanitäranlagen und einer funktionierenden und günstigen Waschmaschine. Kaum hatte ich einen Teil der Wäsche aufgehängt, der Rest war im Trockner, fing es an zu regnen. Überall in der Wohnmobil-Kabine hing die Wäsche. Leider hatte ich vergessen, ein Foto zu machen.